Der heilige Büffel und der Übergang / von Bamm Brewer

 

Alle Tiere sind heilig; der Büffel ist jedoch besonders heilig. Damit Sie die Geschichte unseres Schlachthauses verstehen können, müssen wir Sie zu den Kriegern der Lakota mitnehmen, die vor langer Zeit auf die Jagd gingen. Jedes Tier hat eine Seele. Wenn es getötet wird und seinen letzten Atemzug tut, öffnet sich eine Tür zu einem speziellen Übergang. Dieser Übergang führt in die Geisterwelt, in der Verwandte auf uns alle warten. Bevor das Tier diesen Übergang durchschreitet, schaut es noch einmal zurück und sieht dann nicht nur den Jäger, der es getötet hat, sondern es wird auch in sein Herz blicken.

Büffeljagd früher

 

Die Jäger in der alten Zeit wußten von diesem Übergang und daher reinigten sie sich vor der Jagd in der Schwitzhütte (Inipi) und beteten, nachdem das Tier seinen letzten Atemzug getan hatte. Auch heute haben wir durch das Beispiel unserer Vorfahren noch großen Respekt gegenüber allen Tieren. Mit diesem Respekt wird jedes Tier von unserem Team im Schlachthaus behandelt. Jedes Tier hat eine Seele und diese Seele wird uns als Bruder anerkennen, solange wir ein Dankgebet sprechen. In diesem Gebet kann man auch die Seele des Tieres darum bitten, eine Botschaft an einen Verwandten in der Geisterwelt zu übermitteln. Dieser Übergang ist ein spezieller heiliger Ort, der sich nur öffnet, wenn Demut und Respekt vorhanden sind. Die Jagd spiegelt auch das Leben des Jägers wider und das, was kommen wird. Es gibt keine Dunkelheit, sondern nur ein neues Leben, wenn es auf respektvolle Art und Weise geschieht.

 

Büffelherde

 

Die richtige, althergebrachte Weise: „Heilige Leber und Galle“

Nachdem alles zusammengekommen war und der Jäger mit dem heiligen Tatanka (Büffel) gebetet hatte, wurde der Büffel am Bauch aufgeschnitten. Dadurch wurden die Därme sowie die Leber und die Gallenblase, die mit der Leber verbunden ist, frei. Der Jäger schnitt dann die Gallenblase von der Leber ab und goß die Galle über die Leber. Jeder Anwesende erhielt dann ein Stück der Leber. Dies galt als Medizin, eine starke Medizin mit einem sehr bitteren Geschmack, den man noch lange wahrnahm, nachdem man das Fleisch hinuntergeschluckt hatte. Es wurde gesagt, dass einen der Büffel als Bruder annimmt, nachdem man dieses Stück Leber gegessen hat. Diesen Geschmack vergißt man nicht und tatsächlich ist es so, dass nur einige wenige Lakota Krieger dies heute noch so handhaben. Es ist ein weiterer Brauch, den wir verloren haben. Die heilige Büffelgesellschaft hält diese Tradition noch am Leben. Dies ist ein seltener Brauch und es ist kein Lakota bekannt, der dies tut, mit Ausnahme der Mitglieder der heiligen Büffelgesellschaft. Es ist eine stolze Tradition, die von unseren Mitarbeitern im Schlachthaus bei der Jagd auf dem Feld aufrechterhalten wird.

 

 

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