Ein Brief von Bamm Brewer, Leiter des Charging Buffalo Meat House

Der Herbst liegt schon in der Luft. Wenn wir zurückblicken, hatten wir hier im Pine Ridge Indianerreservat, der Heimat der Oglala Lakota, einen großartigen Sommer voller Spaß. Das „Charging Buffalo Meat House“ war auch in diesem Jahr ein großartiger Arbeitsplatz für unsere Stammesmitglieder. Ich habe das Abenteuer, mit Büffeln zu arbeiten, viele Jahre lang genossen und dieses Abenteuer geht weiter.

Die Büffel zurückzubringen war für uns eine Menge Arbeit, aber wir sind schon weit gekommen. Wir haben derzeit eine neue Perspektive, einen neuen Schwerpunkt. Er besteht darin, den Ausbau des „Charging Buffalo Meat House“ ein für alle Mal abzuschließen.
One Spirit hat ein großartiges Team zusammengestellt, um dieses besondere Projekt umzusetzen, dass das Leben in unserem Reservat erheblich verbessern kann. Unsere Teilnahme am Förderprogramm „Local Food Purchase“, das der Stamm gerade abgeschlossen hat, hat uns gezeigt, welchen Nutzen eine Fleischverarbeitungsanlage für unsere Gemeinschaft haben kann. Ich habe durch dieses Programm einiges gelernt. Zum Beispiel, viele Stunden lang hart daran zu arbeiten, in einer Woche den größtmöglichen Ertrag zu erzielen. Beim Aufbau eines Teams, das diese Produktionsmenge bewältigen konnte, lernte ich, wie es ist, als Büffelkäufer zu agieren – unter den Augen von Menschen, die es nicht gewohnt waren, Büffel an uns zu verkaufen. Damit meine ich unseren eigenen Stamm; sie waren es nicht gewohnt, Büffel an einen Betrieb „innerhalb des Reservats“ zu verkaufen. Sie haben sonst immer an einen Käufer von außerhalb des Reservats verkauft, der ins Reservat kam und die Büffel für einen anderen Fleischverarbeiter außerhalb kaufte.
Wir haben die Situation gemeistert und konnten im letzten Jahr den Kauf von Büffeln aus der Herde des Oglala Sioux-Stammes realisieren. Nun ist wieder Herbst und damit wieder Zeit, die Büffel des Stammes zusammenzutreiben. Das Erweiterungsprojekt des „Charging Buffalo Meat House“ hat sich etwas verlangsamt, da One Spirit mit anderen Projekten ausgelastet ist. Was genau ist aber dieses Erweiterungsprojekt und warum ist es so wichtig? Nun, erinnert ihr euch noch daran, als das Covid-19-Virus ausbrach und einige große Fleischverarbeitungsbetriebe geschlossen wurden, sodass die Vorräte in den Geschäften der Nation zur Neige gingen? Die US-Regierung schuf ein Förderprogramm, um kleinere Fleischverarbeitungsbetriebe zu vergrößern. Wir erhielten also eine Förderung und bauten eine 60 x 40 m² große Erweiterung an das bestehende Gebäude an.
Nun ist es aber so, dass heutzutage alles teurer geworden ist und diese Förderung in Höhe von 100.000 Dollar nur ein Viertel der Mittel ausmachte, die wir zur Fertigstellung des Projekts benötigen. Mit Hilfe weiterer One Spirit-Mitglieder, die nicht aufgeben, geht das Projekt dennoch voran. In den rund 15 Jahren meiner Zusammenarbeit mit One Spirit habe ich noch nie erlebt, dass sie ein Projekt nicht zu Ende gebracht hätten. Dank vieler Spender und mit dem Segen des Schöpfers gelingt es, alle Projekte abzuschließen.

Ich war in der Vergangenheit als Motivationsredner für die Lakota-Jugend tätig und habe ihnen immer Folgendes gesagt: Was ist euer Traum? Denkt jetzt an euren Traum, haltet inne und nehmt euch eine Minute Zeit, darüber nachzudenken.
Und was würdest du gerade jetzt tun, wenn dieser Traum wahr würde? Was würdest du morgen früh tun, wenn dieser Traum wahr würde? Nun wache morgen auf und fang an, das zu tun, was du tun würdest. Indem wir das tun, betreten wir die Welt unserer Träume und dann beginnen wir, unsere Träume zu leben. Es gab ein paar Kinder, die ich fragte: „Was ist dein Traum?“ Ein kleiner Junge sagte: „Mein Traum ist es, ein Fahrrad zu haben.“ Ich zeigte ihm Ideen, wie er das verwirklichen könnte. Ich riet ihm, sich einen Rechen zu besorgen, von Tür zu Tür zu gehen, um Gärten aufzuräumen und Geld zu sparen – bald hätte er genug für ein Fahrrad. Da war noch ein anderes Kind, das sagte: „Mein Traum ist es, meinen Vater hier zu haben.“ Ich fragte: „Okay, wo ist dein Vater?“ Der Junge antwortete: „Er ist gestorben.“ Ich stand nur einen Moment lang schweigend da – das war eine schwierigere Frage – und dann sagte ich ihm: „Vielleicht steht er gerade jetzt neben dir. Dein Vater würde dich niemals verlassen, da bin ich mir sicher. Wenn das dein Traum ist, ist es Zeit, ihn zu verwirklichen. Wenn du draußen spielst, ist er bei dir.“ Dieser Junge hat mich ganz fest umarmt.

Mein Traum ist es, dass unser Volk und meine Familie nie wieder Hunger leiden und nicht mehr in Armut leben müssen. Ich glaube, dass das „Charging Buffalo Meat House“ eine gute Lösung für unser Volk ist. Heute verarbeiten wir einen Hirsch, der von einem Stammesmitglied erlegt wurde. Wir helfen Stammesmitgliedern dabei, ihre Familien zu ernähren, damit es ihnen nicht an Essen mangelt. Manchmal sind Träume alles, was wir haben – es ist ein großer Traum, dieser Tatsache sehe ich jeden Tag ins Gesicht. Ich weiß, dass es ein großer Traum ist, aber nichts wird uns jemals davon abhalten, zu träumen. Wenigstens tun wir etwas, um unsere Situation hier insgesamt zu verbessern. Ich gehe heute zur Arbeit, um Fleisch zu zerlegen; denn es gibt immer noch Menschen hier, die auf uns angewiesen sind und wir werden sie nicht im Stich lassen. Wir werden heute niemanden hungern lassen.
Bamm Brewer, Leiter des Charging Buffalo Meat House





