Wie die Partnerschaft mit einer Firma in Hampton Beach (New Hampshire / USA) das Leben von Lakota Frauen verändert.

Von Max Sullivan, Portsmouth Herald

 

Hampton – Enola Running Hawk sagte, dass das Leben auf der Pine Ridge Reservation ziemlich herausfordernd sein kann, da Arbeit nur schwer zu finden ist und die Lakota weiterhin unter Rassismus leiden.

„Die Erfahrungen, die ich hier mache, sind ganz andere,“ erzählte sie uns. Sie ist 19 Jahre alt und wuchs auf der Reservation in Süddakota auf. In diesem Sommer arbeitet sie in Hampton Beach beim Boardwalk Inn and Café. Die bisherigen Erfahrungen haben ihr bereits geholfen, einen Lebenslauf zu erstellen, der ihr einen Job als Barista in der Nähe ihres Colleges einbrachte.

„Wie ich schon sagte, können wir zu Hause solche Erfahrungen nicht machen,“ sagte sie. „Es ist ein guter Handel für uns.“

 

Lakota Frauen aus der Pine Ridge Reservation in Süddakota sagen, dass sie glücklich sind,
in diesem Sommer in Hampton Beach zu arbeiten.
Von links nach rechts sind dies: Enola Running Hawk, Siouxtera Jack, Ashton Green, Kimimila Pretty Bear und Tayah Running Hawk. 
Bild: Deb Cram/Seacoastonline

 

Der andere Nutznießer dieses Handels ist die Geschäftswelt von Hampton, die im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der Hampton Area Chamber of Commerce (örtliche IHK) und der Organisation One Spirit Saisonarbeiter der Lakota aufnimmt.

Der Handel – Arbeit gegen Erfahrung – war ursprünglich eine wirtschaftliche Initiative, um bei dem vorherrschenden Arbeitskräftemangel Arbeitskräfte zu erhalten. Der Präsident der IHK, John Nyhan sagte uns, dass die Beziehung zu einem kulturellen Austausch geführt hat, der auf Hilfe und Freundschaft fußt.

„Ich kann Ihnen mitteilen, dass dies jetzt über ein reines Arbeitsverhältnis hinausgeht. Es hat viel mehr mit Lernen zu tun und ich habe sehr viel gelernt,“ sagte er.

 

One Spirit bringt Lakota nach Hampton Beach

One Spirit arbeitet mit den Lakota auf Pine Ridge, um ihre Lebensbedingungen und -chancen zu verbessern. Im letzten Jahr starteten wir einen Versuch mit 9 jungen Menschen und in diesem Jahr kamen sieben über One Spirit nach Hampton Beach. Vier arbeiten in den Staatsparks von New Hampshire und drei im Boardwalk Inn and Café.

Seit mehr als 15 Jahren arbeitet One Spirit mit den Lakota auf der Pine Ridge Reservation in Süddakota, um das Leben der Menschen, die dort leben, zu verbessern. Diese Arbeit beinhaltet die Versorgung mit Lebensmitteln, die Unterstützung der Jugend und die Schaffung von Firmen und Arbeitsplätzen.

 

Jeri Baker + John Nyhan

John Nyhan, Präsident der IHK in Hampton und Jeri Baker, Chefin von One Spirit,
sprechen über die Vorteile des Programms, das es Lakota ermöglicht,
von der Pine Ridge Reservation in Süddakota zum Arbeiten an die Atlantikküste zu reisen.

 

Lt. Jeri Baker arbeitet One Spirit zusammen mit den Lakota an Lösungsmöglichkeiten für ihre Probleme, die ihre Kultur einbeziehen auf der Grundlage von Spenden. Seit 2016 wird an einem Schlachthaus gearbeitet, in dem Fleisch und sonstige Bestandteile der Tiere nach der Tradition der Lakota verarbeitet werden.

Im letzten Jahr meldete sich Ute Pineo, der das Al Gauron Luncheonette gehört und die viele örtliche gemeinnützige Vereine unterstützt, bei Jeri Baker. Sie schlug der örtlichen IHK vor, mit One Spirit zusammenzuarbeiten und Arbeitskräfte nach New Hampshire zu bringen, um dem Personalmangel zu begegnen.

Das Pilotprojekt im letzten Jahr war sowohl für die Lakota als auch die Firmen vor Ort ein voller Erfolg. Enola Running Hawk kommt über One Spirit in diesem Jahr wieder hierher, zusammen mit ihrer älteren Schwester. Traci Schaake, die das Boardwalk Café managt, sagte uns, dass ein Lakota, der im letzten Jahr bei ihr war, von sich aus wieder zu ihr gekommen ist, um für sie zu arbeiten.

Enola Running Hawk

Enola Running Hawk, eine Lakota aus der Pine Ridge Reservation in Süddakota ist in diesem Jahr zum 2. Mal in Hampton Beach.
Bild: Deb Cram/Seacoastonline

 

Enola Running Hawk beschrieb ihre Zeit in Hampton als ein Entkommen auf Zeit von einem Ort, an dem die Lakota, trotz dem Stolz auf ihre großartige Kultur, jeden Tag mit einer schlechten wirtschaftlichen Lage und Rassismus zu kämpfen haben. Die Pine Ridge Reservation wurde im Jahr 1886 eingerichtet. Hier leben ca. 40.000 Menschen in neun Bezirken, die sich auf eine Fläche von 3.469 Quadratmeilen (Anm.: ca. 9.000 Quadratkilometer, d. h. ca. Saarland + Luxemburg x 2) verteilen.

Die Arbeitslosenquote in Pine Ridge liegt bei 90% und die Schulabbrecherquote liegt bei 70%. Die Sterblichkeitsrate liegt 300% über der der restlichen US-Bevölkerung und die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 52 Jahre für Frauen und 47 Jahre für Männer lt. der True Sioux Hope Foundation (NGO).

Enola Running Hawk sagte, dass viele Lakota frustriert darüber sind, dass sie auch heute noch mit den Auswirkungen dessen, was die US Regierung den Indigenen im 19. Jahrhundert angetan hat, leben müssen. Sie sagte, dass es in Süddakota immer noch beträchtlichen Rassismus gibt und nur wenige wirtschaftliche Möglichkeiten für die Lakota.

„Wir wurden gezwungen, an diesen sehr abgelegenen Ort zu leben und es hieß: ‚Dort sind Eure Leute, dort müßt ihr leben. Macht das Beste daraus.‘“ sagte uns Enola. „So war das und es dauert bis heute an.“

Was den Lakota an Ressourcen fehlt, machen sie lt. Enola Running Hawk mit ihrer Kultur und ihrer Gemeinschaft wett. Die Lakota bleiben ihrem Erbe treu, sagte sie und durch Trading Posts (Anm.: In diesen Läden kann Kunsthandwerk gekauft werden) auf der Reservation gibt es auch etwas Tourismus. Sie fügte hinzu, dass sie und viele andere traditionellen Schmuck und Kleidung, wie mit Bändern verzierte Hemden und Röcke, herstellen können.

„Zuhause sagen wir, dass wir eine reiche Kultur haben, weil das auch tatsächlich so ist,“ sagte sie. „Wir haben vielleicht vieles nicht, aber wir haben uns.“

„Typischerweise sind Lakota auch immer sehr kreativ,“ fuhr sie fort. „Viele bezeichnen ihre Autos als ‚Rez Bombers‘ – Autos, bei denen sie selbst gelernt haben, wie man sie repariert, da es keine Autowerkstatt oder einen Abschleppdienst auf der Reservation gibt. Mein Vater hat uns beigebracht, wie das funktioniert. Wir haben keine Möglichkeit, unser Auto irgendwo reparieren zu lassen.“

Hampton Beach heißt Bewohner der Pine Ridge Reservation willkommen

Enola Running Hawk erzählte uns, dass sie die Möglichkeit zu arbeiten und zu reisen genießt, wenn sie nach Hampton Beach kommt. Momentan arbeitet sie an der Rezeption des Boardwalk Inns. Sie freut sich auch schon darauf, dass sie in diesem Sommer Erfahrungen im hauseigenen Restaurant als Gastgeberin und Bedienung machen kann.

Um den Lakota bei der Eingewöhnung in Hampton Beach behilflich zu sein, hat die IHK mit einem örtlichen Hotelbetreiber vereinbart, dass sie während der Saison in 2 Appartements wohnen können, von denen aus sie ihre Arbeitsstellen zu Fuß erreichen können. Rusty Bridle, ein Stadtverordneter, der in Teilzeit für die IHK arbeitet, hat Spenden für die Lakota in Form von Fleisch, Gemüse, Konserven, Nudeln und anderen Sachen im Wert von 1.000 $ bereitgestellt. Er sagte auch, das von der IHK Fahrten zu Kaufhäusern organisiert werden, damit die Lakota leicht die Dinge kaufen können, die sie sonst noch benötigen.

Die IHK arbeitet auch mit der Organisation Native American Jump Start zusammen, die Indigenen hilft, sich auf Arbeitsstellen vorzubereiten und Dinge wie Berufskleidung, Bus- und Flugzeugtickets zu erhalten. Ray Southworth, Vorstandsmitglied der gemeinnützigen Organisation, sagte, er habe mit den Lakota-Frauen, die nach New Hampshire reisen, zusammengearbeitet, bevor sie kamen, um mit ihnen darüber zu sprechen, was sie auf dem belebten Boulevard von Hampton Beach erwartet.

Lakota Frauen

Lakota Frauen aus Süddakota sagen, dass sie durch die Arbeit in Hampton Beach in diesem Sommer
Möglichkeiten bekommen, die sie zu Hause nicht haben.
Von links nach rechts sind dies: Enola Running Hawk, Siouxtera Jack, Ashton Green, Kimimila Pretty Bear und Tayah Running Hawk. 
Bild: Deb Cram/Seacoastonline

 

„Wenn man sie am Memorial-Day-Wochenende in Hampton Beach mit 100.000 Menschen antrifft, dann ist das für jeden eine Sache, die das Bewusstsein verändert“, lt. Southworth. „Meine Aufgabe ist es, dort hinzugehen und über die Erwartungen zu sprechen.“


Enola Running Hawk sagte, dass sie sich in Hampton Beach gut eingelebt hat. Sie liebt es zum Beispiel, von dort, wo sie wohnt, über die Straße zum Sandstrand und zum Meer zu gehen.

Die Menschen, die Hampton Beach besuchen und auch diejenigen, die dort leben, sind auch unglaublich freundlich gesinnt. Viele geben auch zu, dass sie über das Leben auf einer Reservation nicht viel wissen.

Enola erzählte: „Manche fragen: ‚Lebt ihr eigentlich noch in Tipis?‘ ‚Ach, Euch gibt es immer noch?‘“.

Im Gegensatz zu dem, was sie in Süddakota erlebt, sind die Leute hier jedoch bereit, sich etwas Besseren belehren zu lassen.

„Ich mache hier ganz andere Erfahrungen,“ sagte sie. „Die Leute sind interessiert. Zu Hause ist es keineswegs so, das ist Fakt.“

Sie fand auch Solidarität bei ausländischen Arbeitnehmern, die über das J-1-Visumprogramm aus Ländern wie Serbien, Rumänien, der Türkei und Jamaika kommen. Hampton Beach ist seit Jahren auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Bisher wurden vor allem Iren in Restaurants und Hotels eingestellt.

„Die Vielfalt macht es ein wenig leichter, sich einbezogen zu fühlen,“ sagt sie.

„Wir haben einfach diese Tage oder Abende, an denen wir auf unsere Veranda gehen und uns besuchen, kulturelle Unterschiede austauschen, sagte Enola. „Es ist sehr schön, hier solche Erfahrungen zu machen.“

Die IHK freut sich darauf, das Arbeitsprogramm mit One Spirit zu erweitern

John Nyhan sagte, dass das Programm mit One Spirit den ursprünglichen Zweck, dringend benötigte Arbeitskräfte nach Hampton Beach zu bringen, erfüllt hat.

Er sagte außerdem, dass in dem Moment, in dem öffentlich über das Programm berichtet wurde und wie Hampton davon profitiert, sein Telefon nicht mehr stillstand und viele Geschäftsleute aus dem ganzen Bundesstaat anriefen und Interesse an einer Zusammenarbeit mit One Spirit zeigten.


5 Lakota FrauenLakota Frauen aus der Pine Ridge Reservation in Süddakota sagen, dass sie glücklich sind,
in diesem Sommer in Hampton Beach zu arbeiten.
Von links nach rechts sind dies: Tayah Running Hawk, Kimimila Pretty Bear, Enola Running Hawk, Siouxtera Jack und Ashton Green
Bild: Deb Cram/Seacoastonline

 

John Nyhan sagte, dass es jetzt ein Potential für eine Ausweitung des Programms, das am Ocean Boulevard begonnen hatte, auf den gesamten Bundesstaat gäbe. In diesem Monat wird er nach Washington D.C. fahren, um Fördergelder für eine Erweiterung des Programms zu beantragen.

Rusty Bridle sagte, dass es eine Freude war, die Lakota kennenzulernen und dass es ihm die Augen geöffnet hat. Letztes Jahr koordinierte er auch Parasailing, Walbeobachtungen und andere Aktivitäten in Hampton, damit sie sich wie zu Hause fühlen.

„Wir möchten, dass sie sich wie einen Teil unserer Gemeinde fühlen,“ sagte er. „Und das sind sie tatsächlich auch.”


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